Porträt/Geschichte

Bühlertal - Gemeinde zwischen Wald und Reben

Die Heimathistoriker nehmen mit gutem Grund an, dass Bühlertal seit der Steinzeit besiedelt war. Es war Heimstatt für Kelten, Römer, Alemannen und Franken. Urkundlich erstmals erwähnt wird die Gemeinde im Jahr 1301 als Bühlertal (=Hügeltal).
Die Besiedelung war im 14. Jahrhundert so gut wie abgeschlossen, erlitt aber in den Folgejahrhunderten erhebliche Rückschläge. Erst mit Beginn des 19. Jahrhunderts nahm Bühlertal an Einwohnern zu. Politisch gehörte die Gemeinde nach Merowinger- und Frankenherrschaft im 13. Jahrhundert zum Herrschaftsgebiet der vormals mächtigen Grafen von Eberstein, die die Windecker belehnten. Nach einem Verkauf der nördlich der Bühlot gelegenen Gebietsteilen durch die Ebersteiner an die Markgrafen von Baden anno 1536 und dem darauf folgenden Kondominat zwischen Badenern und Windeckern wurde die Gemeinde nach Aussterben der Windecker im Mannesstamm im Jahre 1592 und nach Streitigkeiten um das Lehen schließlich 1688 ganz baden-badisch und ging nach Aussterben dieser Linie an Baden-Durlach über. Zur Zeit des Kondominats gehörte Bühlertal dem Gerichtsstab Bühl an. Bereits im 15. Jahrhundert werden Heimburgen von Bühlertal genannt, womit seit dieser Zeit die selbständige Verwaltung der Gemeinde als gesichert anzusehen ist.

Der staatlich anerkannte Luftkurort Bühlertal liegt inmitten einer reizvollen Landschaft zwischen Weinbergen und der Schwarzwaldhochstraße. Ein herrliches Wandergebiet eröffnet Besuchern und Einwohnern zahlreiche Ausblicke über die umliegenden Berge und die Vorgebirgslandschaft ins Rheintal und darüber hinaus bis zu den Vogesen im benachbarten Elsass. Die Gemeinde zählt ca. 8.200 Einwohner und verfügt über 1767 ha Gemarkungsfläche, davon 950 ha Gebirgs- und 40 ha Auenwald.
In früheren Jahren war die Gemeinde fast ausschließlich landwirtschaftlich ausgerichtet. Heute gibt es nur noch wenige hauptberufliche Landwirte, allerdings eine große Zahl von Feierabend-Landwirten. Während die Viehhaltung in den letzten Jahren noch weiter zurückging, wird der Anbau von Sonderkulturen nach wie vor intensiv gepflegt. Insbesondere werden Bühler Frühzwetschgen und Beerenobst (Johannisbeeren) angebaut. Noch bedeutungsvoller ist aber der Weinbau (Spätburgunder, Riesling, Müller-Thurgau und Traminer). Abgesehen von einem Eisenhüttenwerk konnte die Industrie hier nur langsam Fuß fassen. Die ersten Betriebe, die sich in Bühlertal niederließen, waren Sägewerke und Zigarrenfabriken.
Daneben verdienten die Bühlertäler ihr Brot als Holzhauer, Steinmetz und Straßenbauarbeiter. Insbesondere die Natursteingewinnung wird immer noch betrieben. Die Gemeinde erfreut sich darüber hinaus eines reichhaltigen Dienstleistungsangebots und hat eine ausreichende Anzahl von Fachgeschäften. Seit den 60er Jahren ist die Firma Bosch in Bühlertal ansässig. Der größte Arbeitgeber am Ort entwickelte sich aus der ehemaligen Engelsmühle, welche 1938 von Dipl.-Ing. Otto Mühlschlegel erworben wurde, der unter dem Firmennamen "AVOG" ein feinmechanisches Werk aufbaute. Am Standort Bühlertal befindet sich heute die Leitung des Geschäftsbereiches Energie- und Karosseriesysteme einschließlich Entwicklung und Vertrieb. Als weiterer neuer Wirtschaftszweig tat sich Mitte der 30er Jahre der Tourismus auf. Seit dem 1. Januar 1972 ist die Gemeinde Bühlertal staatlich anerkannter Erholungsort, daneben wurde der Gemeinde für den Gemeindeteil Obertal das Prädikat "Luftkurort" verliehen.

Um die Attraktivität und die Qualität der Bühlertäler Landschaft auf Dauer zu erhalten, beschäftigt sich die Gemeindeverwaltung mit Unterstützung des Gemeinderates in den letzten Jahren auch intensiv mit der Landschaftspflege in Bühlertal. Das inzwischen fertiggestellte Landnutzungskonzept wird es der Gemeinde erleichtern, die einzigartige und landwirtschaftliche Vielfalt Bühlertals durch das gemeinschaftliche Engagement von Landwirten, Bürgern und der Gemeinde zu erhalten. Im Oktober 2000 ist die Gemeinde dem „Naturpark Schwarzwald Mitte/Nord e.V.“ beigetreten und erhielt gemeinsam mit der Stadt Bühl im Mai 2003 das Prädikat einer „Portalgemeinde“.

Freizeit und Kultur

Im Freizeit- und Kulturbereich hat sich in den letzten Jahren ebenfalls einiges getan: Es entstanden ein Informationsbüro für unsere Gäste, unser Bühlot-Bad (beheiztes Freibad mit Kinderbadebereich), das Haus des Gastes als kultureller Mittelpunkt, diverse Wanderwege (ca. 100 km), kleine Parks, Wanderparkplätze, zahlreiche Spielplätze, eine Minigolfanlage, ein Heimatmuseum, ein Weinlehrpfad, eine ausgeschilderte Mountainbike-Strecke und Nordic-Walking-Strecken.
In das Museum "Geiserschmiede" investierten freiwillige Helfer über 10.000 Stunden ihrer Freizeit für die Sanierung und Restaurierung. Mit der Restaurierung der Geiserschmiede, der letzten Hammerschmiede der Region, ist es gelungen der Nachwelt ein besonderes Kleinod zu erhalten.

Soziales

Auch im sozialen Bereich kann die Gemeinde einiges bieten: Auf Grund des Krankenhausbedarfsplanes musste das Bühlertäler Krankenhaus zum 30. September 1995 seine Pforten schließen. Nach dem Umbau des Gebäudes befinden sich in dem ehemaligen Krankenhaus 9 betreute Seniorenwohnungen. In unmittelbarer Nachbarschaft konnte die Gemeinde im Jahre 1996 das Seniorenzentrum seiner Bestimmung übergeben. Die von der Gemeinde erstellte und geführte Einrichtung umfasst Dauer-, Kurzzeit- und Tagespflegeplätze sowie "betreutes Wohnen". Auch ein ambulanter Dienst wird angeboten.

Bildung und Infrastruktur

Im Ortsteil Obertal unterhält die Pfarrei Liebfrauen 2 Kindergärten. Im Ortsteil Untertal konnte die Kirchengemeinde St. Michael im Jahre 1973 einen neuen Kindergarten einweihen. In unserer Gemeinde befindet sich auch das Haus "Mecki", welches als heilpädagogische und gestaltungstherapeutische Einrichtung 60 Plätze für junge Menschen bietet.
Schulisch ist die Gemeinde nach Zusammenlegung der beiden Schulbezirke Obertal und Hof im Jahre 1963 in zwei Bezirke eingeteilt, nämlich die Franziska-Höll-Schule für den unteren Ortsteil und die Dr.-Josef-Schofer-Schule für den oberen. Beide führen Grund- und Hauptschulen; der Franziska-Höll-Schule ist darüber hinaus seit dem Jahre 1966 noch eine Realschule angegliedert. Die Grundschule für den unteren Ortsteil ist seit 1995 in dem 1839 erbauten und von Grund auf renovierten "Alten Schulhaus" untergebracht.
Seit 1998 sind in Bühlertal verschiedene Ortsteile an die Buslinie des Karlsruher Verkehrsverbundes angebunden.

Sport

Für die sportliche Freizeitgestaltung stehen zur Verfügung: das Sportzentrum am Mittelberg mit dreiteiliger Sporthalle, Stadion mit Rundbahnen, Hartplatz sowie einer Clubhausgaststätte. Des weiteren gibt es eine Turnhalle mit Lehrschwimmbecken in der Dr.-Josef-Schofer-Schule, Schulsportplatz, Schießsportanlage, BMX-Anlage, Tennisanlage, Dojo für Judo und Karate, Mountainbikestrecke, Nordic-Walking-Strecken, Skipiste auf Hundseckt, diverse Langlaufloipen. Über 40 Vereine bieten in kultureller, sportlicher und heimatpflegerischer Hinsicht die verschiedensten Freizeitmöglichkeiten an.

Ortssanierungen

Die Ortskerne Obertal und Untertal wurden in den vergangenen Jahren umfassend saniert und damit das Ortsbild verschönert. Zu den Maßnahmen gehörte die Renovierung des Rathausgebäudes, der Bau eines Parkdecks und der Ausbau der Kreuzung Haaberg-/Hirschbach- und Hauptstraße. Auch im Ortsteil Untertal wurde der Bereich um die St. Michaelskirche attraktiv gestaltet, wobei besonderer Wert auf verkehrsgerechte Gestaltung der Straße und der Gehwege gelegt wurde.
Neben der St. Michaelskirche wurde der Place de Faverges mit dem dortigen Brunnen neu angelegt. Die Anlage kann als sehr gelungen bezeichnet werden. Des Weiteren wurden dort die unter Denkmalschutz stehenden Gebäude, nämlich das Alte Pfarrhaus und das Alte Schulhaus komplett saniert und sehr ansprechend gestaltet. Ebenso wurden zusätzliche Parkplätze und auch eine kleine Grünanlage geschaffen.

Städtepartnerschaft

Die seit 1990 mit dem französischen Faverges partnerschaftlich verbundene Gemeinde Bühlertal kann Einwohnern und Touristen viel bieten und erfreut sich deshalb als Wohn- und Urlaubsort einer zunehmenden Beliebtheit.

Ausblick in die Zukunft

Mit der Entwicklung der Baugebiete Sundhalde, Breitfeld I und Mocken I wurde in den letzten JahrenWohnraum für ca. 200 Menschen und somit die Grundlage für eine behutsame Fortentwicklung der Gemeinde geschaffen.

Insgesamt lässt sich feststellen, dass Bühlertal aufgrund seiner Lage, seiner infrastrukturellen Einrichtungen und seines guten Dienstleistungs- und Arbeitsplatzangebotes eine beliebte Wohn- und Naherholungsgemeinde geworden ist.